Folegandros
Φολέγανδρος
Die Insel mit dem unaussprechlichen Namen Folegandros (Betonung auf dem "e"!) ist der Geheimtipp der Kykladen – eine Insel, die ihre wilde, ursprüngliche Schönheit bewahrt hat und oft als die „kleine, authentische Schwester“ von Santorin bezeichnet wird. Während andere Inseln auf Glamour setzen, besticht Folegandros durch unaufgeregte Eleganz, dramatische Klippen und eine tiefe Ruhe. Fernab von Massentourismus und großen Hotelketten finden Besucher hier noch das echte griechische Inselleben, schmale Eselspfade und kristallklares Wasser in abgelegenen Buchten.
Folegandros ist ein Ort voller Magie, an dem die Zeit stillzustehen scheint. Hier verschmilzt das tiefblaue Meer mit dramatischen Steilküsten zu einer Kulisse, die so spektakulär ist, dass sie fast unwirklich wirkt. Kurzum: Es ist eine Insel zum Verlieben!
Die Chora ist zweifellos eines der schönsten Dörfer Griechenlands! Sie fasziniert durch verschlungene, schneeweiße Gassen, gesäumt von leuchtenden Bougainvillea und gemütlichen Plätzen, auf denen man unter riesigen Platanen den besten griechischen Kaffee genießt. Der Ort thront spektakulär am Rande einer 200 Meter tief abfallenden Steilküste.
Die Panagia-Kirche, die oberhalb der Chora über ein paar im Zickzack verlaufende Treppen erreichbar ist, bietet zudem den wohl schönsten Sonnenuntergang Griechenlands.


Die Chora von Folegandros
Η Χώρα της Φολεγάνδρου
Der Hauptort – die Chora – ist ohne Frage das Herzstück der Insel. Während andere Inselhauptstädte oft trubelig und weitläufig sind, besticht die Chora von Folegandros durch eine fast intime Atmosphäre und eine dramatische Lage.
Ein Ort zwischen Himmel und Abgrund:
Die Chora wurde auf einem Plateau direkt an der Kante einer vertikal abfallenden Klippe erbaut, etwa 200 Meter über dem Meeresspiegel. Diese exponierte Lage diente früher als Schutz vor Piratenüberfällen. Von der Nordseite des Dorfes blickt man fast senkrecht hinunter auf die Ägäis, was der Chora eine der spektakulärsten Aussichten ganz Griechenlands verleiht.
Anders als viele andere Kykladen-Dörfer, die oft aus einem Labyrinth enger Gassen bestehen, zeichnet sich die Chora von Folegandros durch eine Abfolge von miteinander verbundenen Plätzen (Platias) aus, die das soziale Zentrum des Ortes bilden.
Sie werden von großen Platanen beschattet, was für die eher trockene Insel eine Besonderheit ist.
Hier befinden sich die meisten Tavernen und Cafés, die dem Ort abends eine lebendige, aber entspannte Atmosphäre verleihen.
Die Chora ist komplett autofrei: Der gesamte Kern der Chora ist für den motorisierten Verkehr gesperrt, was die Ruhe und Authentizität bewahrt. Die Kombination aus leuchtend weißen Wänden, tiefblauem Meer im Hintergrund und den grünen Akzenten der Platanen gilt als Paradebeispiel für kykladische Ästhetik.
Trotz des Tourismus hat sich der Ort eine gewisse Zurückhaltung bewahrt. Es gibt keine großen Hotelbauten, sondern meist kleine, inhabergeführte Pensionen.
Die Tavernen, die sich um die zentrale Platia herum aufreihen, sind allesamt zu empfehlen: Schaut einfach in die ausliegenden Speisekarten und nehmt dort Platz, wo euch das Angebot und die Lage gefallen. Genießt den Moment und lasst den Ort auf euch wirken.
Der älteste Teil der Chora ist das Kastro, ein befestigtes Viertel aus dem 13. Jahrhundert. Es wurde unter venezianischer Herrschaft errichtet. Das Besondere hier: Die Außenwände der Häuser bilden gleichzeitig die schützende Ringmauer der Siedlung. Die kleinen, weiß getünchten Häuser sind teilweise über 800 Jahre alt und bis heute bewohnt. Mit ihren bunten Holztüren, Treppen und den schmalen Gassen wirkt die Zeit hier wie stehengeblieben.
Das Kastro ist von der Platia Kontarini (Hauptplatz) aus über einen schmalen Durchgang zu erreichen.

Die Kirche der Jungfrau Maria
Εκκλησία Παναγίας της Φολεγάνδρου
Eines der bekanntesten Fotomotive Griechenlands beginnt am Rande der Chora: Ein weißer, im Zickzack verlaufender Steinweg führt hinauf zur Kirche Panagia. Sie thront oberhalb des Dorfes auf einem Felsen. Die Kirche wurde auf den Fundamenten eines antiken Tempels errichtet, wovon antike Inschriften und Marmorstücke im Inneren noch heute zeugen.
Der Weg hinauf zur Kirche ist steil - aber er lohnt sich allemal:
Ein strahlend weißer, in weiten Zickzack-Linien angelegter Pflasterweg führt vom Dorf hinauf zum Heiligtum. Der ca. 15-minütige Aufstieg bietet mit jeder Kehre neue Perspektiven: Zuerst blickt man auf die verschachtelten Würfelhäuser der Chora, dann öffnet sich der Blick über die gesamte, schroffe Weite der Insel bis hin zum tiefblauen Horizont.
Die heutige Kirche stammt in ihrer Form aus dem Jahr 1821, doch ihre Geschichte reicht viel weiter zurück. Die Panagia wurde auf den Ruinen eines antiken Tempels errichtet. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man in den Mauern und im Hof antike Inschriften, Säulenfragmente und Marmorstücke, die von der langen Geschichte dieses Ortes zeugen. Die Architektur selbst ist klassisch kykladisch: mehrere weiße Kuppeln und ein markanter Glockenturm, der sich gegen den Himmel abhebt.

Das Spektakel: Der Sonnenuntergang
Die Panagia ist der ultimative Ort auf Folegandros, um den Tag zu verabschieden. Da die Kirche hoch oben auf dem Grat liegt, bietet sie eine uneingeschränkte 360-Grad-Sicht.
Wenn die Sonne langsam im Westen versinkt, verwandelt sich das Licht. Das blendende Weiß der Kirchenmauern nimmt warme Gold- und Rosatöne an.
Die Sonne scheint direkt in das Ägäische Meer einzutauchen. An klaren Tagen kann man am Horizont die Umrisse der Nachbarinseln Milos, Sikinos und manchmal sogar Santorin erkennen.
Trotz der Beliebtheit herrscht während des Sonnenuntergangs oft eine fast andächtige Stille. Das Rauschen des Windes und die Weite des Raumes machen diesen Moment zu einem der intensivsten Erlebnisse auf den Kykladen.
Eine besondere Tradition findet jedes Jahr zu Ostern statt: Dann wird die silberbeschlagene Ikone der Panagia in einer feierlichen Prozession durch alle Häuser des Dorfes und sogar zu den Booten im Hafen getragen, um die Insel und ihre Bewohner zu segnen.
Tipp für den Besuch: Plant den Aufstieg etwa 30 bis 45 Minuten vor dem offiziellen Sonnenuntergang ein. So könnt ihr den langsamen Wandel des Lichts in Ruhe genießen und sich einen der begehrten Plätze auf den Mauern rund um die Kirche sichern.
Ihr werdet belohnt mit einem unbeschreiblichen Gänsehaut-Moment!
Weitere Sehenswürdigkeiten der Insel
Von Karavostasis bis nach Agios Georgios
Diese Route ist weit mehr als nur ein Transportweg; sie ist das Rückgrat der Insel und einer der spektakulärsten Panoramagebegegnungen, die die Kykladen zu bieten haben.
Vom kleinen Hafenort Karavostasis, der zwei schöne Strandabschnitte und einige Hotels zu bieten hat, führt die Straße über die gesamte Insel. Nach einigen Kilometern durch eine karge und hügelige Landschaft passiert man auf der rechten Seite die Chora. Die Straße umrundet den Ort, durchquert das Bergdorf Ano Mera und führt weiter bis ans nordwestliche Ende von Folegandros. Dort gibt es einige sehr malerische Buchten (Agios Georgios, Valsamo, Ampeli, Livadaki, Agios Nikolaos, Galyfos). Die Zuwegungen zu diesen Stränden sind für motorisierte Untersätze teilweise abenteuerlich. Einige der Strände lassen sich besser zu Fuß erreichen.
Alternative: Ab dem Ort Agali, der ebenfalls einen kleinen Strand und zwei, drei Tavernen bietet, fahren Ausflugsboote zu den schönsten Stränden im Nordwesten. Die Fahrten mit diesen Booten sind zu empfehlen: Man erreicht die schönsten und einsamsten Strände von der Wasserseite, es werden Schnorchel-Stopps eingelegt und bei Ganztagesfahrten gibt es an Bord sogar ein Menü. Mehr dazu könnt ihr im Abschnitt "Agali" unten nachlesen.
Die Straße nach Ano Meria
Folegandros ist bekannt für seine raue, unverfälschte Schönheit, und kaum ein Ort verkörpert dies so eindrucksvoll wie die Verbindungsstraße zwischen der Chora und dem beschaulichen Dorf Ano Meria.
Sobald man die weißgetünchte Chora verlässt und sich Richtung Nordwesten wendet, schmiegt sich der Asphalt eng an den schmalen Grat der Insel. Folegandros ist hier oft nur wenige hundert Meter breit, was dazu führt, dass man das Gefühl hat, auf dem Rücken eines riesigen steinernen Drachen zu reiten.
Zu beiden Seiten der Straße fällt das Gelände steil ab, und man blickt gleichzeitig auf die Nord- und die Südküste.
Die Landschaft ist spektakulär:
Kilometerlange, kunstvoll geschichtete Steinmauern durchziehen die Hänge wie ein feines Netz. Sie zeugen vom harten Überlebenskampf der Die Vegetation ist minimalistisch – wilder Thymian, Salbei und niedrige Sträucher krallen sich in den kargen Boden und verströmen besonders im Frühjahr einen betörenden Duft.
Die Bebauung entlang dieser Straße ist landwirtschaftlich geprägt, daher trifft man oft auf Esel, Ziegen oder Schafe.


Das eigentliche Highlight dieser Strecke ist jedoch die Aussicht über die Ägäis. Da die Straße stetig ansteigt, öffnet sich der Horizont mit jedem Meter.
An klaren Tagen scheint das tiefe Azurblau des Meeres nahtlos in das Hellblau des Himmels überzugehen. Der Blick schweift über die glitzernde Wasseroberfläche zu den Nachbarinseln: Im Norden grüßen Sifnos und Milos, während im Süden bei guter Sicht die Umrisse von Santorin am Horizont flimmern.
Besonders spektakulär ist die Fahrt während der goldenen Stunde. Wenn die Sonne langsam im Meer versinkt, verwandelt sich der kahle Fels in ein glühendes Ocker, und die Ägäis leuchtet in Schattierungen von Violett und Silber.
Kleine, strahlend weiße Kirchen setzen immer wieder leuchtende Akzente in das erdige Braun und Grau der Felsen.
Direkt in Ano Meria steht auf der linken Seite die wohl kleinste Kapelle der Welt: Eine Kirche, die kaum größer als eine der guten alten Telefonzellen ist.
Die Bäckerei von Ano Meria.
Ein Stück weiter findet man die traditionelle Bäckerei (oft als O Fournos bezeichnet), die in einem unscheinbaren, steinernen Gebäude untergebracht ist. Sie ist einer der wenigen Orte auf den Kykladen, an denen noch auf ganz traditionelle Weise gebacken wird.
Das Herzstück ist der alte, mit Holz befeuerte Steinofen. Das Brot, das hier herauskommt, hat eine Kruste, die nach Feuer und Handwerk schmeckt – weit entfernt von industrieller Massenware.
Eine lokale Spezialität ist die Kalasouna – eine Käsetarte mit Zwiebeln und dem inseltypischen Souroto-Käse.
Die Karpouzenia ist ein einzigartiger Wassermelonen-Kuchen mit Honig, Sesam und Zimt – ein Geschmack, der den Sommer von Folegandros perfekt einfängt.
Morgens mischen sich hier die Einheimischen unter die Wanderer. Man kauft sein Brot für den Tag, nimmt sich ein paar handgemachte Kekse mit und wechselt ein paar Worte mit dem Bäcker, während der Rauch des Ofens sanft in den blauen Himmel steigt.

Irinis Taverne
Ein paar hundert Meter weiter ein kulinarisches Highlight: Iniris Taverne oder einfach Irene's ist weit mehr als nur ein Restaurant – es ist eine Institution. Wer hier einkehrt, betritt keinen durchgestylten Gastraum, sondern das Reich von Frau Irini, die hier seit Jahrzehnten mit Herzlichkeit und Leidenschaft kocht.
Die Taverne ist gleichzeitig ein kleiner Lebensmittelladen (Pantopoleio). Man sitzt auf einer gemütlichen Terrasse, umgeben von Weinreben und dem Duft von wildem Thymian, während das dörfliche Leben von Ano Meria in aller Ruhe an einem vorbeizieht.
Man darf Irinis Taverne nicht verlassen, ohne die legendären Matsata probiert zu haben. Das sind handgemachte, frische Bandnudeln, die traditionell mit langsam geschmortem Kaninchen, Hahn oder Ziege in einer würzigen Tomatensauce serviert werden.

Es schmeckt hier nicht nach "Restaurant", sondern nach "Zuhause". Jede Zutat wirkt, als käme sie direkt aus dem Garten hinter dem Haus oder vom Nachbarbauern.
Agali
Αγκάλη
Der Name Agali bedeutet übersetzt so viel wie „Umarmung“, was perfekt beschreibt, wie sich die kleine Bucht schützend um das tiefblaue Ägäische Meer legt.
Im Gegensatz zur lebhaften Chora geht es in Agali deutlich gelassener zu. Der Ort besteht aus einer Handvoll weiß getünchter Häuser, ein paar gemütlichen Tavernen und kleinen Pensionen, die sich direkt an die Felsen schmiegen. Es gibt keine großen Hotels oder laute Strandbars – stattdessen dominieren das Geräusch der Wellen und das Läuten der Ziegenglocken in den umliegenden Hügeln.
Der Hauptstrand von Agali ist ein breiter Kiesel-Sand-Strand mit kristallklarem, türkisfarbenem Wasser. Er gilt als einer der besten Badeplätze der Insel, da er relativ leicht zugänglich ist (entweder mit dem lokalen Bus oder über eine steile, aber asphaltierte Straße).
Besonders am späten Nachmittag, wenn die Tagestouristen langsam zurück in die Chora fahren, kehrt in Agali eine magische Ruhe ein. Es lohnt sich, in einer der Tavernen direkt am Wasser frischen Fisch oder die lokale Pasta-Spezialität „Matsata“ zu probieren, während die Sonne langsam tiefer sinkt.

Agali ist der ideale Startpunkt für Wanderungen oder kurze Bootsfahrten zu den noch abgelegeneren Buchten der Insel:
Galifos: Eine winzige Bucht mit ein paar einfachen Unterkünften ohne Strom – purer Minimalismus.
Agios Nikolaos: Ein wunderschöner Strand mit Schatten spendenden Tamarisken, den man in etwa 20 Minuten zu Fuß über einen Küstenpfad erreicht. Eine kleine Bar macht die Bucht zu einem lohnenswerten Tagesausflug.
Livadaki: Ein abgelegener, weißer Kieselstrand, der am besten mit dem Taxiboot von Agali aus angesteuert wird.
Wandertipp im Nordwesten
Ein paar Hundert Meter nördlich der Bäckerei Ano Meria, in Höhe des Restaurants "Sonnenuntergang von Mitsakis", gibt es eine Abzweigung nach Westen. An dieser Stelle beginnt ein traumhaft schöner Wanderweg, der die Strände Livadaki, Agios Nikolaos sowie Galyfos miteinander verbindet und schließlich in Agali endet. Kurz hinter Livadaki erreicht man den verfallenen Leuchtturm von Aspropounta (Φάρος Ασπροπούντας), den man sich unbedingt ansehen sollte.
Die kleine Bar in der Bucht von Agios Nikolaos oder auch eine der Tavernen in Agali eignen sich sehr gut für eine ausgiebige Pause :-)
Insgesamt sollte man eine Gehzeit von mindestens 4 Stunden einplanen. Wer bis nach Ano Meria bzw. bis zum Ausgangspunkt weitergehen möchte, benötigt eine weitere knappe Stunde.
Hoteltipp:
An der Hauptverbindungsstraße in der Nähe der Bäckerei von Ano Meria liegt die Apartment-Anlage "Lemon Tree Houses", die wir sehr empfehlen können.
Das neue Hotel bietet geräumige Bungalows in verschiedenen Größen, teils auf mehreren Etagen, mit traumhaftem Blick über die Ägäis. Ein schöner Pool mit lauschigen Sitz- und Liegegelegenheiten runden die Atmosphäre ab.
Athanasia und ihr Team bieten unter anderem auch ein reichhaltiges Frühstück an.

































